Qigong

Qigong ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Körperübungen, die dem eigenen Bemühen um Gesundheit und Heilung dienen. Es handelt sich um ein sanftes Übungssystem, das Körper und Geist harmonisch miteinander verbindet. Seine Ursprünge liegen im alten China. Qigong ist ein fester Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM).

Qigong bedeutet soviel wie: „Die Pflege des Qi, der universellen Lebensenergie". Unter Lebensenergie ist dabei jene Kraft gemeint, die uns gesünder, ausgeglichener und leistungsstärker macht. Nur mit genügend Energie können wir unsere Ziele im Leben erreichen. Qigong mehrt und kultiviert diese Energie.

Die Übungen des Qigong sind ruhig, sanft und werden konzentriert und bewusst vollzogen. Der Körper wird für den ungestörten Fluss der Lebensenergie geöffnet. Daraus kann jene positive Wirkung entstehen, die Ruhe, Entspannung und Erholung hervorruft und die allgemeine Vitalität wiederherstellt. Solange der Energiefluss ungestört ist, fühlen wir uns wohl und das Krankheitsrisiko ist gering.

Qigong Yangsheng

In der wechselvollen Geschichte Chinas haben sich die verschiedensten Richtungen des Qigong entwickelt. Der Begriff Qigong ist erst seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts gebräuchlich. Seit den 1980er-Jahren findet Qigong in China große Verbreitung und wird nach der Kulturrevolution wieder öffentlich praktiziert und gelehrt. Seither stößt es auch weltweite auf Beachtung und Anerkennung.

Heute gibt es in China eine Vielzahl von Richtungen und Stilarten des Qigong. Jede Einzelne hat ihre Besonderheiten und spezifischen Ausprägungen, dennoch liegen ihnen gemeinsame Aspekte zugrunde:

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Das Lehrsystem Qigong Yangsheng wurde von Prof. Jiao Guorui begründet. Yangsheng bedeutet „das Pflegen, Nähren und Kultivieren der Lebensenergie“. Es ist eine umfassende Lehre aus Theorie und Übungen, die Prof. Jiao nach Auswertung alter Dokumente, mündlicher Überlieferungen und aufgrund großer persönlicher Erfahrung entwickelt hat. Guorui war Arzt für traditionelle chinesische Medizin an der Akademie für TCM in Beiging. Sein Übungssystem umfasst 27 Methoden, von denen hier nur einige genannt werden sollen:

Die Übungen sind leicht zu erlernen und fast überall zu praktizieren. Sie können individuell den Bedingungen angepasst und unabhängig vom Alter und weitgehend unabhängig vom Gesundheitszustand geübt werden. Qigong sollte im Idealfall fester Bestandteil des Alltags werden. Nur wer regelmäßig übt, findet zur Gesundheit und Harmonie. Der Einstieg gelingt am leichtesten über einen Kurs.

Übungsreihen

Einführung / Orientierung

Gesundheit und Wohlbefinden, Lebensenergie und geistige Kraft gehören seit altersher zu den Wünschen und Zielen der Menschen aller Kulturen. Überall auf der Welt suchen Menschen nach Wegen, Körper und Geist zu stärken und ihre Lebenskraft zu nähren und zu kultivieren.

In China wurden im Laufe der Geschichte unzählige Methoden zur Erhaltung der Gesundheit und Pflege der Lebensenergie entwickelt. Im Lehrsystem Qigong Yangsheng sind diese Methoden überarbeitet, geordnet und zusammengefasst worden. In diesem Kurs werden zum Kennenlernen und zum leichteren Einstieg in das Lehrsystem aus klassischen Formen kleine Übungszyklen zusammengestellt. Diese Auswahl bietet dem Übenden die Möglichkeit, mit wenigen Bewegungen zu beginnen, erste Erfahrungen zu sammeln und sich zu orientieren.

Die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong

Das „Taiji-Qigong" ist eine neu entwickelte, sehr beliebte Form des Qigong. In ihr sind die Prinzipien des Qigong Yangsheng besonders leicht und klar erkennbar. Bilder aus der Natur, aus dem Tierreich und aus der Welt der Symbole unterstützen die Vorstellungskraft. Es werden die wichtigsten Bewegungen und Schrittarten geübt, die sich auch in anderen Formen wiederfinden.

Charakteristisch für das Taiji-Qigong ist der Bewegungsfluss. Es wird in konstantem, langsamen Tempo geübt. Die Körperhaltungen und Bewegungen sind unkompliziert, leicht zu erlernen und zu praktizieren. Alle Übungen dienen der Regulierung und Harmonisierung der Lebenskraft des Menschen, dem Qi. Der gesamte Organismus wird gestärkt, die Psyche entspannt und beruhigt.

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Die 8 Brokatübungen

Die „acht Brokate" gelten als eines der ältesten Übungssysteme des Qigong. Der Überlieferung nach sind die acht Übungen für die Gesundheit so wertvoll, wie der Brokatstoff (kunstvolle, farbenfrohe Seide) auf dem sie dargestellt wurden. Aufgrund ihrer positiven Wirkung sind die 8 Brokate in China sehr beliebt und weit verbreitet. Die Übung sind einfach und daher leicht zu erlernen. Sie erfordern nicht viel Platz und können bei Bedarf auch im Sitzen durchgeführt werden.

Die Übungen der 8 Brokate dienen dazu, das Qi, die Lebensenergie des Menschen, zu regulieren und stimulieren. Der Körper wird für den ungestörten Fluss des Qi geöffnet und der Geist beruhigt. Die 8 Brokate sprechen bestimmte Leitbahnen (Meridiane) des Qi an, durch die langfristig verschiedene Organsysteme und Körperfunktionen harmonisiert und reguliert werden.

Das Spiel der 5 Tiere

Mit den Gesetzmäßigkeiten und Kräften der Natur in Einklang zu leben, ist eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Hierzu gehört auch, sich der eigenen Natur bewusst zu werden und die Kräfte alles Lebendigen in sich wiederzufinden. Das Ausdrücken von Gefühlen und Kräften durch Körperhaltung und Bewegung, durch Gestik und Mimik ist eine Möglichkeit hierzu und gilt in China seit altersher als wichtige Übung zur Pflege der Lebensenergie. Nachahmungen von Tierbewegungen sind dabei sehr beliebt. Als nachahmungswert gelten vor allem die Tiere, die sich durch besondere Vorzüge, wie z. B. die Stärke des Tigers, die Klugheit des Affen oder die Leichtigkeit des Kranichs auszeichnen.

Das Spiel der 5 Tiere ist durch lebhafte Bewegungen gekennzeichnet, die aus einer Vielzahl von Vorstellungen über ein bestimmtes Tier (Charakter, Gestalt, Bewegung, Gestik usw.) entwickelt werden. Den Anfang der Übungspraxis bildet die Nachahmung des Tieres, in der sein Wesen und seine Gestalt zum Ausdruck gebracht werden. In der Vertiefung werden die menschlichen und individuellen Eigenarten des Übenden in das Spiel mit eingebracht. Durch das Üben verbindet sich der Rhythmus des eigenen Lebens mit dem Rhythmus der Natur. Das Wiedererlangen der Verbindung mit der Natur führt zu physischem und psychischem Wohlbefinden und zur Gesundheit.

Übungen für die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist in unserer modernen Lebensweise vielfachen Belastungen ausgesetzt. Übungen zum Ausgleich von Überbelastung, Haltungsschwächen und chronischen Schmerzen sind sehr wichtig geworden. In der chinesischen Medizin wird die Wirbelsäule auch „Himmelssäule“ genannt. Sie ist der Hauptkanal des Qi, das sich mit den Nervenimpulsen ausbreitet. Die Lebenskraft stellt dort die Verbindung zwischen Körper und Geist her.

Durch die sanfte Bewegungen der Wirbelsäule wird das Nervensystem angeregt und der Qi-Fluss reguliert. Die Übungen stärken das Qi und kräftigen gleichzeitig die Nerven. Die nervenstärkende Wirkung von Qigong hilft, die täglichen Belastungen besser zu bewältigen und chronische Stresssymptome zu lindern.

Ruheübungen

Qigong ist mehr als nur eine Sammlung von gymnastischen Übungen. Es ist eine ganzheitliche Methode, die Körper und Geist miteinander verbindet und körperliche und geistige Gesundheit gleichermaßen fördern will. Von zentraler Bedeutung sind neben den Bewegungsübungen meditative Atem- und Wahrnehmungsübungen, die durch Visualisation und Kontemplation ergänzt werden. Das Qi folgt der Aufmerksamkeit und lässt sich durch die Vorstellungskraft mobilisieren und lenken.

Qigong-Übungen helfen, mit Stress, Ärger, Depressionen und allgemeiner Antriebsschwäche fertig zu werden. Die aktive Mitarbeit des Geistes fördert den Qi-Fluss und verhindert, dass die Bewegungen rein mechanisch ablaufen. Qigong bietet die Möglichkeit, mit der Kraft der Gedanken Ruhe und Energie zu finden.

Atemübungen (6 heilende Laute)

Bei der 6 Laute Methode wird die Atmung in Kombination mit 6 Lauten geübt. Man unterscheidet zwischen einer stillen (tonlosen) Methode und einer Übungsform, bei der die Laute hörbar artikuliert werden. In der Praxis hat sich gezeigt, dass bei der Übungsform mit hörbaren Lauten im Vergleich zur stillen Form häufig eine deutlichere Wirkung erzielt werden kann. Die 6 Laute Methode wird meist zur Kategorie der Ruheübungen gezählt.

Bei der stillen Methode werden die entsprechenden Laute beim Ausatmen ohne hörbaren Ton artikuliert. Bei der Übungsweise mit hörbarem Ton werden die Laute in der Ausatmungsphase mit ebenem Ton, nicht zu laut gesprochen, wobei die Dauer der Ausatmung nicht übermäßig lang gezogen werden sollte. Jeder Laut wird sechsmal geübt.

Die Besonderheit der 6 Laute Methode besteht darin, dass durch spezifische Lautartikulationen bestimmte Entspannungs- und Anspannungszustände sowie Vibrationen erzeugt werden, die auf entsprechende Körperbereiche und Organe, aber auch auf den gesamten Körper wirken, in dem sie dort Resonanz-Schwingungen hervorrufen. Dadurch können der Fluss von Qi und Xue (Blut) in den Leitbahnen reguliert und Störungen und Blockaden günstig beeinflusst werden.

Die Übungen können in einer bestimmten Körperhaltung praktiziert werden:

Qigong für Ältere

Älterwerden ist ein natürlicher Prozess. Das Altern legt unter günstigen Bedingungen ein gemächliches Tempo vor und kann sich beschleunigen, wenn die Umwelteinflüsse ungünstig sind. Die allgemeinen körperlichen und geistigen Leistungsminderungen im Alter sind häufig auf das Fehlen adäquater Anregung und Förderung des gesamten Organismus zurückzuführen. Qigong kann ein aktiver Weg sein, die geistigen und körperlichen Kräfte zu reaktivieren um bis ins hohe Alter mobil und aktiv zu bleiben. Insbesondere ist Qigong für Ältere sehr gut geeignet:

Die positiven Erfahrungen, die Senioren in einem Qigongkurs machen können, gehen aber noch viel weiter. Ältere Teilnehmer können durch Qigong wieder ein allgemeines seelisches und physisches Wohlbefinden erlangen und ihre Schmerzen reduzieren, die durch zunehmende Immobilität entstehen. Sie finden durch die Beschäftigung mit sich selbst und das Üben in der Gruppe wieder mehr Halt und Stabilität.

Aber auch die Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Einordnung und zum Umgang mit ihren Beschwerden ist für viele Teilnehmer eine Bereicherung. Sie erfahren und erleben ihren Körper trotz ihrer Einschränkungen wieder neu. Sie schätzen es, die Übungen im Stehen und Sitzen abhängig von der Tagesform und den Beschwerden ausüben zu können. Hier hat Qigong gegenüber anderen Methoden einen klaren Vorteil. Die Teilnehmer müssen nicht Übungen auf dem Boden durchführen. Zudem genießen sie die fließenden Bewegungen und die Synchronizität mit der Atmung.

Neiyanggong

Innen nährendes Qigong

Qigong findet in Europa in den letzten Jahren zunehmend Verbreitung. Zahlreiche Übungsmethoden mit unterschiedlichen Schwerpunkten haben sich etabliert und werden zur Prävention und Therapie eingesetzt. Die Übungen des Neiyanggong dienen der Vorbeugung und Behandlungen von Krankheiten, der Erhaltung der Gesundheit und einem langen Leben. Die Übungen der Grund-, Mittel- und Oberstufe enthalten stille und bewegte Übungen sowie Selbstmassage.

Grundstufe des Neiyanggong:

Mittelstufe des Neiyanggong:

Die Übungen des Neiyanggong wurden in den 1950 er-Jahren von Liu Guizhen, dem Begründer der Qigong-Klinik in Beidaihe (VR China) zu therapeutischen Zwecken überarbeitet und angewandt. Die Klinik in Beidaihe gilt als die Wiege des modernen, medizinischen Qigongs.

Heute ist Liu Yafei, die Tochter von Liu Guizhen und Vizedirektorin der Klink die offizielle Vertreterin der Tradition des Neiyanggong. Sie hat die Methode von ihrem Vater erlernt, weiterentwickelt und lehrt sie regelmäßig auch in Deutschland.

In dem Seminar / Workshop praktizieren wir die bewegten Übungen der Grundstufe und eine Auswahl aus den Übungen der Mittelstufe. Die Selbstmassage erarbeiten wir uns in einem gesonderten Seminar.


Feng Yijian, Rehaklinik Beidaihe, VR China



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